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Er ist talentiert, gut beschäftigt und investiert neben viel Zeit auch einiges an Geld in seine Leidenschaft – die Fotografie. Kai-Hendrik Schroeder hat im letzten Jahr einen Raketenstart hingelegt, als er anfing sich dem neumodernen Homestory-Style zu verschreiben und fleißig für Online-Magazine produzierte. Inzwischen hat er eine beachtliche Followerschaft in den sozialen Netzwerken aufgebaut und sein erster Bildband steht auch kurz vor der Veröffentlichung. Jetzt fragten wir ihn mal aus, zu dem, was er da eigentlich so macht und wo er die ganzen tollen Locations eigentlich her bekommt. Warum AirBnb jetzt auch einen guten Batzen Geld kostete, erfahrt ihr im Chat.nur_fuer_ben_02

Hallo Kai, wie geht’s dir? Schwänzt du gerade wieder die Schule?

Du weißt, dass ich nie im Leben die Schule schwänzen würde. Es gibt nichts Wichtigeres auf der Welt. 
Aber in der Tat: Mein Schulblock ist glücklicherweise vorbei. Daher habe ich jetzt einen straffen Arbeitstag in der Agentur hinter mir und bereite mich mal wieder auf’s bearbeiten meiner offenen freien Strecken vor. Aber zunächst kümmere ich mich sehr sehr gerne um deine Fragen!

Wie schafft man es eigentlich nebenher so viele Fotos zu machen und die ganzen Frauen für Instagram abzulichten?

Ich denke, vor allem in dem man extrem viel Bock darauf hat. Ich kann mich auch schwer daran erinnern, ob mir, aufgrund des hohen Arbeitspensums, im letzten Jahr mal richtig langweilig war – auch mein Urlaub wurde irgendwie eher notgedrungen genommen.

Ich war im letzten Jahr eigentliche jedes Wochenende unterwegs und habe dann oft gerne auch mal zwei oder drei Shootings am Tag gehabt, um so viel wie möglich mitzunehmen. Das handhabe ich aktuell eigentlich noch exakt genau so. Nur bloß nie mehr drei Shootings an einem Tag – da schmerzt mein Auge doch schon ordentlich, kein Scherz.

Die “Post-Production” lege ich dann in die Zeit zwischen dem Feierabend meines regulären Arbeitstages als Mediengestalter-Azubi und der Bettruhe irgendwann spät Nachts. Daher lässt meine Körperform leider aktuell auch ein bisschen zu wünschen übrig, einfach weil keine Zeit für Sport ist. Lieber nehme ich mir stattdessen die wichtige Zeit für meine wunderbare und mich hervorragend unterstützende Freundin.

Ist das auch der Grund für deinen rasanten Anstieg deiner Followerschaft auf den sozialen Netzwerken? Oder hast Du auch mal in die Geldbüchse gelangt?

Ich habe noch nie jemanden dafür bezahlt, meinen Sachen zu folgen, wenn du das meinst. Ich halte davon nicht viel und auffällig ist so was obendrein. Wer meine Arbeiten mag, soll mir gerne folgen – ich freue mich über jeden einzelnen Sympathisanten extrem. Wer sie nicht mag, wird ja nicht gezwungen. Und schon garnicht gekauft.

Ich bin dankbar dafür, dass sich die viele Arbeit bewährt und soviel nettes zurückkommt. Die Followerschaften sind zwar alles nur Zahlen (über die ich mich trotzdem freue) – wirklich geil sind vor allem aber die Mails und Nachrichten die einen erreichen, von Leuten, die sich ernsthaft mit deinem Kram auseinandersetzen, die Kontakte die man knüpft und nicht diese Leute die nur einen auf “Geil! Arsch! Folgen!!” machen. Das motiviert irgendwo doch ungemein und hält das Rad am Laufen. Ohne das Feedback, tja wer weiß, ob ich dann noch genau so energisch weitermachen würde und könnte. 

Ein großer Indikator für das Wachstum ist das richtige (und zeitfressende) managen der Posts denke ich mal. Wann poste ich was? Wie poste ich was? Wen verlinke ich darauf? Was für Hashtags muss ich nutzen? Ich habe mich mit dem Kram, einfach weil es mich interessiert, ein bisschen genauer auseinandergesetzt und lange beobachtet. Ich habe schon so oft z.B. auch darüber nachgedacht, die Hashtags wegzulassen. Das hat immer so einen ekelhaften “Fishing for compliments” Beigeschmack – doch man erreicht damit vielleicht doch den einen oder anderen, der deine Arbeiten halt echt mag und dann lohnt es sich schon wieder. Auch wenn man dadurch für manche super uncool ist.

Weiterhin spielen auch die Magazinveröffentlichungen eine große Rolle, das zieht viele Menschen an und macht viele auf deine Arbeiten aufmerksam. Im November letzten Jahres hatte ich zusätzlich noch das große Glück, dass der liebe Paul Ripke, bei dem ich zwar vor 4-5 Jahren im Praktikum war, mit dem ich seitdem aber eher weniger bis gar nicht im Kontakt stand, aus heiterem Himmel einen Aufruf startete mir ein paar Highfives zu verabreichen und meinen Account geteilt hat. Herzlichen Dank noch mal an dich, Paul – da kamen einige Highfives auf mich eingeprasselt.

Zusammenfassend würde ich also sagen:
Viel Engagement und Fleiß gepaart mit viel Glück und Hilfe von wunderbar netten Menschen sowie ein wenig Gespür für die Zielgruppe und wohl auch ein wenig fotografischem Können/Talent führen irgendwie immer zum Ziel.hiphiphooray_01_aki

Könnt natürlich auch an den meist sehr schicken Locations liegen, in denen sich deine Models rumräkeln. Wie kommst Du da eigentlich immer dran?

Ich versuche, so oft es geht, vor Ort bei den Models zu shooten. Nicht jeder kann sich seine Bude als Location ausmalen, viele sind ganz überrascht, was da so geht. Vorab lasse ich mir Bilder zuschicken und gucke dann ob das klappen könnte. Tatsächlich fühle ich mich oft wie so eine Mini-Ausgabe von Tine Wittler. Was ich schon alles umdekoriert und umgestellt habe – unfassbar. Sollte es vor Ort gar nicht funktionieren, schaue ich mich gerne im näheren Umfeld um. Freunde oder Freundesfreunde. Ansonsten bediene ich mich auch echt sehr gerne mal bei Airbnb, was ja eigentlich nur für Übernachtungen gedacht ist.

Wenn Du über Airbnb suchst, brauchst Du sicher Stunden für die Recherche oder?

Auf jeden Fall. Man braucht schon viel Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen. Schließlich muss man die jeweiligen Vermieter auch von dem überzeugen, was man mit deren Wohnung anstellen will. Generell würde ich sagen, dass meine Arbeit wie ich sie mache zu mindestens 60%-70% aus Scouting/Recherche und Planung besteht. Den Rest teilen sich dann das eigentliche Shooting, die Bearbeitung und diverse Gespräche oder Vermittlungen an Magazine.

Und wie machst Du das mit den Rechten? Immerhin sind deine Bilder ja online und werden auch in Magazinen veröffentlicht. Fragst Du das vorher bei den Inhabern an?

Normalerweise frage ich generell IMMER vorab an und erkläre auch genau, was ich für Fotos mache und wofür diese sein sollen.

Hat das schon einmal Probleme gegeben im Nachhinein?

Ja, leider.Thema “Normalerweise”. Tatsächlich gab es mit dem Vermieter eines wunderbaren Lofts letztens arg auf die Finger. In der Objektbeschreibung in Airbnb stand in etwa “Für kommerzielle Shootings fragen Sie bitte gesondert an” – was für mich blauäugigerweise irgendwie im Umkehrschluss auch hieß: “Solange du da eh kein Geld für bekommst, mach es doch einfach.”

Ich habe mich in diversen Foren schlau gelesen und da kam irgendwo auch auf, dass man ja durch die Vermietung das “Hausrecht” erwerben würde, weshalb man dort tun und lassen könne, was man möchte, wie in seiner eigenen Bude halt auch. Diese Meinung wurde übrigens auch oft gegenüber Hotellocations getätigt. Da sich die zwei Shootings recht spontan ergeben hatten, bin ich mit diesem gefährlichen Halbwissen dann letztlich auch in diese Shootings geschliddert. Wie gesagt, normalerweise spreche ich sowas im Voraus ab.

Dieses mal hatte es zeittechnisch leider nicht wirklich geklappt, da das Loft eigentlich nur für eine normale Übernachtung gedacht war. Im Endeffekt fanden dort also zwei Shootings statt, die beide in recht bekannten non-profit/nicht-kommerziellen (Online-) Magazinen veröffentlicht wurden. Dadurch, dass der Vermieter in der Medienbranche tätig ist, hat ihn ein Bekannter darauf aufmerksam gemacht. Prompt kam dann eine Nachricht seinerseits, in der er einen, für mich als Azubi ziemlich hohen, Betrag als Entschädigung forderte. Nach Rücksprache mit einer sehr guten Medienrechtsanwältin (danke Aki!) aus Hamburg habe ich jedoch erkennen müssen, dass er im Recht ist und ich nicht einfach mal so, ohne Erlaubnis in seiner Wohnung Fotos machen darf die danach veröffentlicht werden. Egal ob kommerziell oder nicht. Diese Behauptung mit dem “Hausrecht” stimmt also einfach NICHT. Böse Falle.

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Fuck. Und was hat dich der Spaß jetzt gekostet?

Da ich, spätestens nach dem Telefonat mit meiner Anwältin, mein Fehlverhalten eingesehen habe, habe ich dem Vermieter zunächst direkt eine Unterlassungserklärung zugesendet. 

Diese besagt, dass die Fotos unverzüglich aus den Magazinen, meinen Netzwerken sowie von meiner Festplatte zu löschen sind. Das heißt auch, dass die Models die Fotos nicht nutzen können. Alleine der Akt den Magazinen, Models sowie den Labels der Klamotten, die die Models trugen, darüber Bescheid zu geben war schon echt eine harte Bestrafung und tut mir arg Leid. Für mich persönlich war es natürlich auch ziemlich bescheiden, da ich die Fotos echt mochte und ich sie nun nicht verwenden kann.

Letzen Endes hatte ich das Glück, dass der Vermieter meine aktuelle finanzielle Lage als Azubi verstehen konnte und seinen zuerst geforderten Preis auf nette 750€ zahlbar in drei Raten zu 250€ verringert hat.Dazu gesellen sich die Anwaltskosten, die sich für eine Stunde telefonischer Beratung und dem Aufsetzen der Unterlassungserklärung auf knappe 200€ belaufen. Die Location und Anfahrt hatte ich ja mit etwa 200€ schon bezahlt. Dazu kommen viele Stunden der Sorgen, unkonzentriertheit und die verschiedensten Suchen nach Möglichkeiten, den zuerst geforderten Betrag bezahlen zu können.

Summa summarum kommen wir hier auf knackig gerundete 1150€ für zwei Shootings in einem Loft, für Fotos, von denen keiner, außer dem Vermieter vielleicht, was hat. Naja, außer halt die Erfahrung, die man aus der ganzen Sache mitnimmt.

Und wer vielleicht bei den Anwaltskosten denkt “Ha. Ich habe doch ‘ne Rechtsschutzversicherung” – der wandert leider auf dem Holzweg. Denn meiner Anwältin ist keine Rechtsschutz bekannt, die diese Art von Rechtsfall decken würde, da es sich im groben um das Thema Copyright handelt und dies schlichtweg zu neu ist. Sollte ein eifriger Leser deines Blogs in diesem Fall bessere Informationen haben, so bitte ich inständig um eine Mail oder einen Kommentar dazu – für die Zukunft.

Insgesamt habe ich mir also ordentlich auf doofe Weise die Finger verbrannt, aber man lernt halt aus genau solchen Dingen. Und weiß dann, dass einem sowas nicht noch mal passiert. Danke auch noch mal an dieser Stelle an den Vermieter und sein Nachsehen.

Machst Du das jetzt anders oder würdest Du in Zukunft anders mit Location-Buchungen umgehen?

Klar. Ich bin ein Mensch, der zwar manchmal solche Denkzettel braucht, aber aus allem etwas positives mitzunehmen versucht. Vor allem sage ich mir, gerade weil ein Motiv aus dem Loft das Cover meines bald erscheinenden ersten Buches werden sollte: besser jetzt als nach dem Release. Immerhin habe ich es jetzt in der Hand noch mal alles zu überprüfen und bestätigen zu lassen. Schriftlich.

Mein Merkzettel für die Zukunft:Alles. Wirklich alles im Voraus abklären, immer ehrlich sein, die Details ausführen und sich letztlich ein schriftliches “Okay!” geben lassen.

Was würdest Du jetzt anderen Fotografen an dieser Stelle empfehlen?

Leute. Glaubt nicht alles, was ihr in Foren oder via Google lest. Da tummeln sich viele Möchtegern(-Anwälte), die gerne mal gefährliches Halbwissen servieren. Sichert euch ab, zahlt auch gerne die Kosten für eine Telefonberatung mit eurem Anwalt. Das lohnt sich – wirklich.

Wenn ihr über ein Portal wie Airbnb, dessen Grundsätze ja wirklich geil sind, eine Bude als Location mieten wollt, dann sagt es den Vermietern vorher einfach auch ganz ehrlich. Immer. Und auch was ihr da machen wollt. Oft werdet ihr dann wohl abgelehnt, aber es gibt doch einige, die einverstanden sind. Auch wenn man dann manchmal noch einen Zacken extra zahlen muss. Und lasst euch auf jeden Fall schriftlich bestätigen, dass ihr die Fotos, die ihr dort gemacht habt, auch verwenden dürft – in welchem Umfang das freigegeben wird, ist ja dann verhandlungssache.

Macht bitte nur einfach nicht den gleichen Fehler wie ich und sagt euch “Hey, ich penne einfach mit 8 Leuten in der Bude, auch wenn nur 3 angekündigt waren.” oder “Komm heute buche ich das Ding für 100€ und mache einfach mal ‘n paar Fotos für Magazin X” – kann gut gehen, muss aber nicht. Und wenn nicht, kommts halt dicke zurück und die ganze Arbeit war für die Katz’.

Wie viel Geld hast Du denn dann schon in den letzten Monaten für Locations auf den Kopf gehauen?

Wenn wir das aufs ganze letzte Jahr, seit meinem Beginn damit im Februar bis diesen Februar rechnen, kommen wir da in etwa auf 1.000-1.500€. Das ist für Fotografen, die tagtäglich in gemieteten Locations unterwegs sind, natürlich ein Witz und wohl die Summe, die sie täglich entrichten. Aber diese Fotografen machen (in der Regel) damit auch Kohle und betreiben das nicht als Azubi-“Hobby” nebenher. Ich bin aber recht schnell dazu übergegangen mir die Kosten der Locations mit den Models fair zu teilen, manchmal übernehmen die Models die Locationkosten auch ganz. Es ist also tatsächlich so, dass ich für die Fotos auch noch insgesamt einen recht hohen Invest habe. Man darf die Anfahrten zu den ganzen Locations ja auch nicht vergessen. Es lohnt sich glücklicherweise fast immer und ich denke, man muss auch bereit sein mal Geld in die Hand zu nehmen um weiter zu kommen.

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Wie spielst Du die Kohle wieder ein? Über Jobs oder bald mit deinem Buch Candyland?

Das Ganze läuft zwar auch über Jobs aber zum Großteil eher über mein normales Azubi-Gehalt. Anstatt am Wochenende unsinnig teuer saufen zu gehen, spare ich mir das Geld lieber auf und investiere es in die Locations/Shootings.

Ich mache halt aktuell schon starke Abstriche im privaten Bereich, damit ich die Fotografie leben kann. Und hoffe, dass ich wiederum irgendwann von der Fotografie leben kann.

Mein im April/Mai erscheinendens Buch Candyland werde ich in einer Auflage von 500 Stück raushauen, das ist auch so ein “einfach machen” Ding von mir, aber dazu an anderer Stelle vielleicht mal mehr. Auch wenn ich an den Büchern selbst gar nicht viel verdienen werde (und auch nicht verdienen will): Sollte ich tatsächlich alle Bücher verkaufen können, wäre auf jeden Fall ein Großteil der Location/Anfahrtskosten sowie Produktionskosten des Buches gedeckelt, klar.

Dann freu ich mich jetzt an dieser Stelle einfach auf dein Buch und bin gespannt, was wir in Zukunft noch von Dir sehen werden.

Danke Ben! Ich freue mich, wenn ich auch nur einen mit meinen Worten davor schützen kann, den gleichen Fehler zu machen. Bis zum nächsten Bier! Bei dir.

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All Images © Kai-Hendrik Schroeder